Hei ihr Lieben đŸ«¶đŸŒ

Nachdem ich auf Bookstagram schon kurz meine Meinung zu dem Rezensionsexemplar „Verbrannte Gnade“ mitgeteilt habe, wollte ich diesen Blogeintrag nutzen, um meine schlechte Bewertung genauer zu erlĂ€utern.

Als ihre Klosterschule Ziel eines Brandanschlags wird und der Hausmeister Jack tot aufgefunden wird, stĂŒrzen die Schwestern und die umliegende Gemeinde ins Chaos. Unzufrieden mit den Ermittlungen der Behörden ist die eigensinnige Schwester Holiday, die gerne Punkrock hört und Kette raucht, entschlossen, den TĂ€ter selbst zu finden. Ihre Ermittlungen fĂŒhren sie in der schwĂŒlen Hitze von New Orleans auf einen verschlungenen Pfad voller VerdĂ€chtigungen und Geheimnisse, der sie gegen ihre Mitschwestern aufbringt. Aber Schwester Holiday ist keine Heilige. Um den Fall zu lösen, muss sie sich mit den SĂŒnden ihrer Vergangenheit auseinandersetzen … Ein rasanter Auftakt zu Margot Douaihys cooler Serie, die dem Krimi-Genre mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur neues Leben einhaucht. 

Neben dem Klappentext fand ich das Cover richtig cool und ich habe mich total auf das Buch gefreut! Wenn mich nicht schon der Klappentext ĂŒberzeugt hĂ€tte, wĂ€re das Buch fĂŒr mich ein Coverkauf geworden!

Der Titel sowie das Cover passen einfach perfekt zu dem Vibe, den ich mir von dem Buch erhofft habe. Leider waren Klappentext, Titel und Cover das Einzige, worĂŒber ich nur Gutes berichten kann đŸ„č

Der Anfang des Buches und damit der Abschnitt, den ich als Leseprobe lesen durfte, fÀngt sogar richtig interessant und unterhaltsam an, jedoch lÀsst das relativ schnell nach. Statt einer Bad Ass Nonne, die vielleicht mit nicht immer sauberen Mitteln kompetente Detektivarbeit betreibt, und vielleicht sogar eine Romanze mit der Detektivin eingeht, haben wir eine unfÀhige Nonne, unfÀhige Polizisten und eine Handlung, die an allen Ecken scheitert.

Das Buch hat mich bald nur noch frustriert und spĂ€testens ab der HĂ€lfte hĂ€tte ich ein solches Buch normalerweise auch abgebrochen, da ich keine Hoffnung mehr hatte, dass es noch besser werden wĂŒrde – wurde es auch nicht.

So fing es schon damit an, dass ich nicht nachvollziehen konnte, warum Schwester Holiday sich ĂŒberhaupt in den Fall einmischt. Es gibt zwar den persönlichen Faktor, dass sie an der Schule arbeitet, die in Brand gesteckt wurde, und dass sie das erste Todesopfer kannte, aber sie hat einfach keine Erfahrung und Expertise in der Detektivarbeit. Ihre „Kompetenz“ kommt daher (bitte anschnallen), dass ihr Vater bei der Polizei arbeitete und sie gerne Krimiserien anschaute 👀

Bevor die Polizei dann also angefangen hat, zu ermitteln, befindet Schwester Holiday die Polizei fĂŒr unfĂ€hig (was sich spĂ€ter auch bewahrheitet) und ermittelt auf eigene Faust, worin sie komplett scheitert.

So besteht ihre „Detektivarbeit“ darin, Leute nach ihrem Alibi zu fragen, aber das Thema dann auch zu lassen und nicht nachzuhaken, Das frustriert vor allem am Ende, da das Motiv so leicht herauszufinden wĂ€re. Stattdessen wirft die Nonne lieber wild Vermutungen hin und her, wahrscheinlich um den Leser auf eine falsche FĂ€hrte zu lenken, aber leider ist es bei diesen Charakteren sehr klar, dass sie es NICHT waren, was die falsche FĂ€hrte etwas lĂ€cherlich macht. Ich glaube, wir alle hĂ€tten das schneller und besser herausgefunden als die Leute im Buch. Auf die Charaktere gehe ich dann spĂ€ter noch einmal ein.

Das Ende von „Verbrannte Gnade“ ist leider gar nicht zufriedenstellend. Da Schwester Holiday nur wild Vermutungen herumwirft und es kaum Beweise und oder Hinweise auf den TĂ€ter gibt, kommt eher zufĂ€llig raus, wer fĂŒr die Brandstiftung verantwortlich ist. Und wie gesagt, der TĂ€ter ist so redselig und das Motiv wĂ€re so leicht herauszufinden gewesen
 es ist einfach frustrierend.

Neben der frustrierenden Handlung und dem Ende gibt es so viele unlogische Stellen, LogiklĂŒcken und WidersprĂŒche, dass man das Buch mit einem schlechten und verwirrten GefĂŒhl beendet.

Die Handlung wird durch den Bewusstseinsstrom von Schwester Holiday wiedergegeben, das heißt, ihre Gedanken, EindrĂŒcke und Erinnerungen werden eins zu eins aufgeschrieben. Das kann interessant zu lesen sein, ist es in diesem Buch aber leider nicht.

Zwar bekam ich durch die Landschaftsbeschreibungen und den Vibe richtig Lust, New Orleans zu besuchen, aber andererseits herrschen neben den Beschreibungen ĂŒbermĂ€ĂŸig viele unzusammenhĂ€ngende Flashbacks, Vergleiche, Metaphern und seltsame Gedanken vor. Diese sind oft inkohĂ€rent, schlecht miteinander verbunden und verwirren auf Dauer. Zudem machen diese einen so großen Teil des Buches aus, dass die eigentliche Handlung komplett untergeht. Vielleicht kann ich deswegen auch wenig zu der Handlung sagen


Dazu werden redundante Sachen zu oft gesagt oder erklĂ€rt. So wird in dem Buch ĂŒber 70-mal gesagt, wie sehr beliebige Personen schwitzen, und dass Schwester Holiday einen Goldzahn hat, wird ganze 29-mal erwĂ€hnt. Diese Sachen haben nichts mit der Handlung zu tun, werden einem aber geradezu aufgedrĂ€ngt.

Abgesehen davon, dass der Schreibstil durch den Bewusstseinsstrom oft inkohĂ€rent wirkt und es schwierig macht, der eigentlichen Handlung zu folgen, vermittelt das Buch auch einige problematische Ideen. Aufgrund der Tatsache, dass Schwester Holiday eine queere Nonne mit einer problematischen Vergangenheit ist, hatte ich gehofft, dass wir mehr ĂŒber den Kontrast zwischen ihrer SexualitĂ€t/ ihren GrundsĂ€tzen und den GrundsĂ€tzen der katholischen Kirche erfahren. Leider bekommen wir stattdessen vermittelt, dass Leute mit Trauma sehr wahrscheinlich große Verbrechen wie Brandstiftung mit Mord begehen und dass bisexuelle Frauen oft ihre Partner betrĂŒgen, da sie sich einfach nicht entscheiden können, mit welchem Geschlecht sie ins Bett gehen wollen.

Wie bereits erwÀhnt, habe ich schon mit der Hauptfigur Schwester Holiday meine Problemchen. Aber sie ist leider nicht nur inkompetent in ihrer Detektivarbeit, nein, sie ist auch eine sehr unsympathische Protagonistin.

Wahrscheinlich war sie als moralisch graue Person geplant, jedoch ist sie einfach nur eine schlechte Person, die jeden scheiße behandelt! So hat sie, wie gefĂŒhlt jeder in dem Buch, eine schlimme und traumatische Vergangenheit, in der sie viel Schlimmes angerichtet hat. Ich dachte mir, dass sie durch den Glauben dann zu sich gefunden hat und sich gebessert hat, aber Fehlanzeige! Es gibt so gut wie kein Character Development und so verprĂŒgelt sie an einer Stelle einen SchĂŒler, den sie fĂŒr verdĂ€chtig hĂ€lt, und verpfeift einen befreundeten Lehrer bei der Polizei, weil er Alkohol wĂ€hrend der Arbeit trinkt. Das bringt wahrscheinlich mit sich, dass der Lehrer seinen Job verliert, was dazu fĂŒhrt, dass seine todkranke Frau nicht mehr in seiner Krankenversicherung ist. Und er war am Ende auch nicht der TĂ€ter. Holiday hat also umsonst das Leben einer kompletten Familie zerstört. Yeay đŸ‘đŸœ

Neben Schwester Holiday hat aber gefĂŒhlt auch jeder eine dramatische Hintergrundgeschichte! Neben den ĂŒbermĂ€ĂŸigen Metaphern, Beschreibungen und Gedanken besteht der Großteil des Buches also aus Traumadumping. Ich weiß nicht, ob die Autorin durch das ganze Trauma den Charakteren Tiefe oder ein Schuldmotiv verleihen wollte, aber es war einfach viel zu viel! Das Trauma hat vor allem auch keinen Nutzen fĂŒr die Geschichte. Es hilft nicht dabei, Charaktere und ihr Verhalten zu verstehen oder beim Lösen des Falles. Es wirkt einfach, als sollte ein gewisser Schockfaktor in die Geschichte hineingebracht werden. Und eigentlich sollte man das nicht sagen mĂŒssen, aber: Trauma ist keine Charaktereigenschaft! 

Generell Ă€hneln sich alle Charaktere und sind schlecht ausgearbeitet. Die einzige Sache, wie man sie auseinanderhalten kann, ist die Tatsache, ob sie Holiday mögen oder nicht. Das Auftauchen, das Verhalten und die GesprĂ€che der Charaktere sind dabei genauso unnatĂŒrlich wie der Wechsel zwischen den Szenen im Buch. Alles ist sehr inkohĂ€rent und verwirrend.

Da alle Charaktere nur oberflĂ€chlich ausgearbeitet sind, konnte ich sowohl Nonnen als auch Polizist*innen echt schlecht auseinanderhalten. Dadurch schockierten einen die Tode und die EnthĂŒllung, wer der TĂ€ter war, leider auch gar nicht.

Insgesamt ist das Buch fĂŒr mich leider kein Krimi, sondern eine Mischung aus Traumadumping, gelegentlichen BrĂ€nden und redundanten Vergleichen und Metaphern, die die ganze Handlung ĂŒberschatten.

Sowohl Charaktere als auch Handlung sind oberflĂ€chlich gehalten und man erfĂ€hrt nichts ĂŒber Motive, Beweise und das Verhalten der Charaktere, sodass man bei dem Fall nicht einmal selbst mitrĂ€tseln kann. Das Leseerlebnis war fĂŒr mich aufgrund der schlechten Detektivarbeit von ALLEN Beteiligten sehr frustrierend und das Ende war schlecht aufgelöst. Wie gesagt: Dieses Motiv hĂ€tte man an einem Tag rausfinden können, wenn man mal mehr gefragt hĂ€tte als „Wo waren Sie am Tag des ersten Feuers?“ und nicht random Unschuldige beschuldigt hĂ€tte!

Es wĂ€re zudem auch so viel Potential fĂŒr das Ansprechen wichtiger Themen vorhanden gewesen, was aber leider nicht eingetreten ist.

Das Cover und der Klappentext haben mich so angesprochen, es ist wirklich schade, wie enttÀuschend das Buch letztendlich war!

Das Buch ist natĂŒrlich das KrimidebĂŒt der Autorin, also vielleicht ist der zweite Band besser, aber fĂŒr mich ist der erste Band auf jeden Fall keine Empfehlung und ich werde die Reihe nicht weiterverfolgen. 1,25 Sterne von mir.

Titel: Verbrannte Gnade

Autorin: Margot Douaihy

Erschienen: 13.08.2024 beim „Blumenbar“ Verlag

ISBN: 978-3-351-05129-7