Hei Ihr ♥

Leute, es ist soweit! Mein erster Fantasy-Epos. Nein, ich habe Herr der Ringe nicht gelesen und Brandon Sanderson kenne ich nur von meinem Freund, also, here goes nothing. Mein Review über den Auftakt der Keos-Saga – „Sohn der Sieben“ von Justin Travis Call.

Kurzzusammenfassung:

Ich werde die Zusammenfassung vom Cover nehmen, denn meine „Kurzzusammenfassung“ wäre alles andere als kurz ^^

In der Akademie von Chaenbalu lernen Annev und seine Freunde, wie sie die Welt vor der Magie beschützen können. Annev ist talentiert und beliebt. Doch das Beste ist, dass die hübsche Myjun, die Tochter des Akademievorstehers, seine Zuneigung zu erwidern scheint. Alles könnte perfekt sein …

Doch Annev hat ein großes Geheimnis. Wenn es enthüllt wird, wird er selbst zum verfolgten Ausgestoßenen. Denn er ist das, was er bekämpfen soll: ein Nutzer von Magie!

So, ein paar kleine Ergänzungen meinerseits:

Annev ist nicht gerade das, was man beliebt nennt. Er hat zwei Freunde, die „coole“ Gruppe hasst und mobbt ihn und dem Rest ist er relativ egal. Soviel dazu.

Und „verfolgter Ausgestoßener“ steht hier für „zum Tode verurteilt“… Alle, die Magie nutzen, müssen sterben. Da ist nichts mit ausgestoßen werden.

Meine Meinung:

Cover:

Das Cover ist relativ simpel gehalten, versprüht aber dennoch Energie und motiviert Einen zum Lesen. In der Mitte spreizt ein goldener, metallisch-wirkender, Phönix seine Schwingen, während von der Seite ein Wall energetischen Rots wie Blut um das Schwert hinter dem Phönix spritzt. Mich persönlich hätte es, denke ich, nicht so angesprochen, jedoch finde ich das Cover sehr gut gestaltet und es verspricht Einem blutige Kämpfe, Helden und … einen metallenen Phönix, der sich aus der Asche erhebt. Die Frage ist: bekommen wir all das auch am Ende?

Handlung:

Ich will so wenig wie möglich spoilern, aber tatsächlich hält das Cover, was es verspricht. Es gibt blutige Kämpfe, sogar viele davon, Helden und gewissermaßen auch einen „metallenen Phönix“, was es damit auf sich hat, müsst ihr aber selber herausfinden.

Das Buch selbst besteht aus vier Teilen, einem Prolog und einem Epilog. Nachdem ein neuer Teil anfängt, werden die ersten Seiten stets Prophezeiungen oder Geschichten über die Götter und den Zeitaltern gewidmet, was einem hilft, die ganze Geschichte zu verstehen.

Dabei finde ich gut, dass diese Geschichten chronologisch erzählt werden und trotzdem so gut in den Kontext der Geschichte in der Gegenwart passen. So erfasst man die Zusammenhänge besser und erhält einen Einblick in die Vergangenheit und die vergangenen vier Zeitalter.

Diese Geschichten über die drei Gottesgeschwister Odar, Lumea und Keos sind stets interessant und durch sie verstand man oft mehr von den fremden Begriffen, die überall im Buch verteilt stehen.

Die „Hauptgeschichte“, die sich um den jungen Akolyth Annev dreht, passiert in einem kleinen Zeitraum von nur vier Tage. Wer wie ich denkt, dass man in vier Tagen vielleicht ein paar Staffeln „Vampire Diaries“ durchschauen kann und mehr nicht (man muss ja auch noch schlafen und essen), der täuscht sich. Denn Annev schafft… viel. Sehr viel. Wie gesagt, keine Spoiler, aber mit Schlafen ist da nicht viel und es erfolgt sogar ein Heiratsantrag.

Daraus, dass so viel geschieht, folgen natürlich auch viele Handlungsstränge und, Gegenwart und Vergangenheit vereint, eigentlich alle davon bleiben am Ende offen. Einerseits ist das logisch, denn ein zweiter Band soll kommen, aber andererseits saß ich am Ende verzweifelt unter meiner Decke im Bett, da mein Kopf ein großes fettes Fragezeichen war und es mir schwerfiel, überhaupt zu beschreiben, worum es in dem Buch ging.

Selbst die kleinen Handlungsstränge werfen mindestens eine Frage auf, die nicht gelöst wird und ich bezweifle, dass diese in den nächsten Teilen beantwortet werden.  

Die Haupthandlung mit Annev fügt sich zwar nach und nach zusammen, jedoch muss man sehr genau lesen und darf eigentlich nichts vergessen, sodass man alle Zusammenhänge sofort begreifen kann – was einfach unmöglich ist.

Schon ich habe mir, der Rezension wegen, viele Notizen gemacht und war oft trotzdem aufgeschmissen. Besonders in Teil Vier musste ich sehr oft zu den Prophezeiungen und Buchausschnitten zurückblättern, um alles, was sich Annev gerade zusammenreimt, zu verstehen.

Jetzt aber auch noch zu etwas Gutem, und zwar den Kampfszene. Ich bin wirklich kein Actionfan, doch die Szenen waren spannend, mitreißend und sehr detailliert geschrieben, sodass man ein genaues Bild von dem Kampf im Kopf hatte, während man es las.

Auf irgendeiner Seite habe ich gelesen, dass die Szenen einen Leser an Martial Arts erinnert haben und es stimmt. Ich kenne mich wie gesagt nicht gut aus damit, jedoch wurde auch ich daran erinnert.

World Building:

Als ich das Buch das erste Mal aufschlug und eine Karte im Einband erblickte, wurde ich sehr sehr glücklich. Finde ich eine Karte im Buch, so habe ich sofort das Gefühl, dass dies ein gutes Buch werden wird. Jedoch wurde ich von der Karte enttäuscht.

Die Karte ist schön und gut, jedoch findet man gerade einmal zwei/ drei der Orte, die im kompletten Buch genannt werden. Der Ort Chaenbalu, an dem der Großteil der Handlung geschieht, ist keiner davon. Ich verstehe natürlich warum… Es ist ein „geheimer Ort“, aber hätte man ihn nicht als „Notiz“ in die Karte einfügen können, sodass er nicht offiziell auf der Karte ist, aber der Leser sich trotzdem vorstellen kann, wo er ist?

Und das restliche World Building ist leider nicht besser.

Die Geschichte über die Götter, die Prophezeiungen und die Ausschnitte aus Büchern der Welt im Buch (uuh Bookception 😉) sind wirklich toll geschrieben, jedoch erinnern mich die Götter sehr an die nordische Mythologie bei uns und der Name Odin, oh Verzeihung, Odar macht es nicht besser.

Dazu wird nicht klar, ob die Geschichte in unserer Welt und nur zu einer anderen Zeit, oder in einer anderen Welt spielt, da Latein als Sprache vorkommt und einen Feste wie „Regaleus“ (wer Latein kennt, kann sich denken, worum das Fest geht) doch sehr an Feste in unserer Welt (in diesem Fall Weihnachten) erinnern.

Leider werden auch, natürlich eher kleine, Umstände und Systeme wie das Währungssystem nicht ganz klar und bis zum Ende habe ich mich gefragt, ob die drei Völker (die Dariten, Illumiten und Terraner) immer noch in getrennten Arealen leben oder nicht. Es wird nämlich aus dem Kontext klar, dass nicht nur Dariten in Chaenbalu leben, jedoch wird niemals Lumea geheiligt oder als verehrte Göttin genannt, sondern nur Odar, was dann noch mehr Fragen aufwirft, wie die Frage, ob Odar als „Hauptgott“ betrachtet wird und seine Geschwister untergeordnet sind.

Mal sehen, ob alles durch das zweite Buch verständlicher wird.

Charaktere:

Eine Sache: Es kommen SEHR viele Charaktere vor! Auf jeden von ihnen hier einzugehen wäre unmöglich! Und da ich noch nie einen Fantasy-Epos gelesen habe, war ich zugegebenermaßen überrascht.

Da ich mir Notizen zu den Charakteren gemacht habe, fiel es mir relativ einfach, von Anfang an auch mit den Figuren mitzuhalten, die nicht ganz so oft vorkamen. Schwierig wurde es dann, wenn plötzlich eine Figur wichtig wurde, die nur hin und wieder in einem Satz vorkam, der teils aber schon wichtige Informationen über die Figur verraten hat. Also… solltet ihr das Buch lesen und wollt, dass alles gleich beim ersten Mal Sinn ergibt, dann schreibt euch wirklich jeden Namen auf, der vorkommt, selbst wenn die Person einen Satz später stirbt ^^

Jetzt aber zu ein paar wichtigen Charakteren, denn das, was dem Autor bei dem World Building etwas gefehlt hat, holt er bei den Charakteren wieder heraus.

Jede Haupt- und Nebenfigur hat etwas Einzigartiges und spiegelt die ihr gegebenen Charaktereigenschaften gut wider.

Da die Geschichte sich hauptsächlich um Annev dreht, bekommt man natürlich am meisten seine Gefühle und Gedanken mit, jedoch werden jedem wichtigen Charakter, der neu auftritt, ein paar Seiten gewidmet, sodass der Leser einen Einblick in dessen Motive und Gefühlswelten bekommt, was sehr gut gelungen ist.

Was mir ebenfalls gut gefallen hat, war die Charakterentwicklung von Annev. War er am Anfang noch etwas unsicher, unüberlegt und zögerte beim Töten von bösen Gestalten, so wurde er im Laufe des Buches, geprägt von seinen Erlebnissen, sowohl erwachsener als auch selbstbewusster und zögerte nicht mehr lange, wenn es ums Töten geht.

So, bevor das Review jetzt viel zu lange wird, zwei Sachen noch:

Das Buch lebt von Charakteren wie Annev, Sodar, Sraon und Titus. Titus ist einfach ein Cutiepie, den man einmal dolle knuddeln will.

Wo wir gerade beim Knuddeln sind. Keos darf bei der Rezension natürlich nicht fehlen.

Mich hat es sehr gefreut, dass der Autor Keos nicht als den bösen Gott und den bösen Gott allein dargestellt hat. Er ist nicht von Grund auf böse, sondern seine Hintergrundgeschichte und die Beziehung mit seinen Geschwistern hat ihn zu dem gemacht, was er ist. Und das ist wichtig zu wissen. Ich persönlich hatte dadurch eher Mitleid mit Keos und habe ihn nicht verabscheut, wie alle in Chaenbalu es tun, da sie nur die Erzählungen kennen, die Keos als den Bösen darstellen.

Beziehungen zwischen den Figuren:

Okay, nur ganz kurz. Mir war es wichtig, diese zwei Beziehungen anzumerken.

Erst einmal die romantische Beziehung zwischen Annev und Myjun. Schon auf den ersten paar Seiten des ersten Teiles wird klar, dass Annev in Myjun verliebt ist und sie ihm sehr wichtig ist. Jedoch wird auch klar, dass sie bis jetzt kaum körperlichen Kontakt hatten und sich eher aus der Ferne sehen. Ich will euch jetzt auch nicht zu viel verraten, aber es hat mich von der Schnelligkeit der Beziehungsentwicklung an Romeo und Julia erinnert, nur dass die Beziehung irgendwie komisch war und dafür, dass sie so prominent in dem Buch wirkt, spielt sie letztendlich keine große Rolle und ich glaube, dass es besser und realistischer gewesen wäre, die Verliebtheit als Verliebtheit zu lassen. Aber gut.

Kommen wir zur besten Beziehung des ganzen Buches. Der „Vater-Sohn“-Beziehung zwischen Sodar und Annev. Diese Beziehung fungiert als Rückgrat der ganzen Geschichte und versüßt einem geradezu das Lesen. Taucht eine Szene mit nur den Beiden auf, so ist diese meistens gut.

Auch wenn es, wie in jeder Beziehung, Ups und Downs gibt, so spürt man doch auf jeder Seite die innige Verbundenheit und familiäre Liebe der Beiden zueinander.

Fazit:

Insgesamt ist die Handlung des Romans mitreißend und spannend erzählt und es gibt nur wenige Stellen, die langweilig erscheinen können. Dazu gibt es zwar viele offene Fragen am Ende und auch viele ungelöste Handlungsstränge, jedoch hat man letztendlich ein gutes Verständnis über die Welt von Annev erlangen können und fühlt sich durch die vielen offenen Fragen fast verpflichtet, sich das zweite Buch zu kaufen, wenn es erscheint.

Ich werde das auf jeden Fall tun, denn auch wenn ich dem Buch nur 3,5 Sterne gebe, so bin ich wirklich gespannt, wie sich die Geschichte mit Annev weiterentwickelt und für welche Seite sich Annev letztendlich entscheidet.

Infos zum Buch:

Titel: Sohn der Sieben

Autor: Justin Travis Call

Übersetzer: Hans Link

Erschienen: 2019 bei Penhaligon

ISBN: 978-3-7645-3165-2

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