Hei Ihr ♥

Nachdem „Promised“ von Kiera Cass schon fast ein Jahr auf meinem SuB lag, habe ich es nun geschafft, zu lesen und zu rezensieren.

Aber ob das hübsche Cover hält, was es verspricht, und warum die Charaktere perfekt in eine Reality Trash TV Show gepasst hätten, erfahrt ihr jetzt in meiner Rezension 🙂

Kurzzusammenfassung:

Hollis ist am Ziel ihrer Träume angekommen: Der König liegt ihr zu Füßen und liest ihr alle Wünsche von den Augen ab. Jeden Moment wird er ihre Verlobung bekanntgeben, schon bald wird sie Königin sein – die mächtigste und reichste Frau des Kontinents.

Doch dann taucht ein mysteriöser Fremder auf, und ein heimlicher Kuss verändert Hollis ganze Welt.

Die Augen des Volkes sind auf die zukünftige Königin gerichtet. Und niemand ahnt, welche Stürme in ihr toben, während sie lächelt.

Meine Meinung:

Das Cover:

Ist euch schon einmal aufgefallen, wie ähnlich sich die Bücher von Kiera Cass sind?

Man sieht eine wunderschöne Frau mit einem noch schöneren Abendkleid auf dem Cover und der Titel besteht (zumindest im Englischen) aus „the“ und einem Substantiv, welches den Stand der Hauptfigur (und letztendlich auch das wichtigste Merkmal…) beschreibt.

So bin ich wirklich froh, dass der Titel im Deutschen „Promised“ ist und nicht, wie im Englischen, „Die Verlobte“, denn, nein danke, ein Buch mit so einem Titel brauche ich auch nicht im Bücherregal.

So oder so war es für mich, wie die Selection-Reihe und „the Siren“, erneut ein Coverkauf. Daher, Hut ab an Kiera Cass, denn egal wie uneinfallsreich ihre Cover und Titel sein mögen, die Strategie funktioniert anscheinend.

Dennoch kann ich dem Cover, welches eine hübsche, braunhaarige Frau mit einem goldenen Diadem zeigt, welche ihr goldenes Abendkleid so stark schwingt, dass sich Goldpartikel daraus lösen, nicht die Höchstpunktzahl geben, da es zwar hübsch anzusehen ist und sich das Kleid auch in der Geschichte wiederfindet, jedoch ist es sehr ausdruckslos und eben einfallslos, was mich mittlerweile tatsächlich etwas nervt.

Und leider verspricht ein hübsches Cover nicht gleich eine gute Geschichte, wie ich schon bei „the Siren“ merken musste.

Der Erzählstil:

Ebenfalls an „the Siren“ erinnert hat mich der Erzählstil, der nicht mit „Selection“ zu vergleichen ist, da er um einiges schlechter ist.

Das Buch hat mich zwar gefesselt, jedoch gab es keinen schönen Einklang zwischen der Handlung und dem Erzählstil und so hat etwas immer off gewirkt.

Kiera Cass hat es leider auch nicht geschafft, die Charaktere durch den Schreibstil individuell zu machen und dem Leser unterschiedlichste und lebendige Bilder in den Kopf zu setzen, sondern sie zeigt uns Charaktere, die vom Grundmuster her sehr ähnlich wirken.

Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und zeigt uns folglich, wie Hollis alles erlebt.  

Einerseits muss ein Buch, in dem nur eine Erzählperspektive herrscht, nicht schlecht sein, andererseits hätte „Promised“ eine wechselnde Erzählperspektive (oder zumindest zwei, drei Kapitel aus einer anderen Erzählperspektive) nicht schlecht getan, da man oft nicht wirklich versteht, wie der andere Charakter sich fühlt oder warum er macht, was er macht.

Da Kiera Cass es leider nicht schafft, diese Gedanken und Motive allein durch ihren Erzählstil und die Beschreibungen zu übermitteln, hätte ein Perspektivenwechsel dem Buch gut getan.

Die Handlung:

Die Handlung ist, wenn man von den Charakteren einmal absieht, eigentlich ganz spannend, jedoch geht alles ein bisschen schnell. Besonders am Anfang ist das etwas störend, da man dadurch sofort merkt, dass alles was passiert nur Vorgeplänkel sein soll und dass das einzig Wichtige aus den Seiten die Figuren und die Beziehungen dieser Figuren sind und nicht die Geschehnisse.

Mehrere Sachen sind auch mal wieder unstimmig oder gar unlogisch. Es ist fast, als hätte die Autorin Szene B geschrieben, die nachfolgenden Szenen aber auf irgendeiner verschollenen Szene A basiert, was einfach zu großen Unstimmigkeiten führt.

Dazu die Plottwists… Spoiler: Es gibt nicht wirklich welche.

Die Handlung besteht aus einem Strang, welcher geradlinig durchlaufen wird und tja, was soll ich sagen … Manche Plottwists, von denen ich dachte, dass sie noch kommen, wären weitaus spannender gewesen als die, die letztendlich eingebaut wurden.

Die Charaktere:

Ouw, jetzt kommen wir zum schlimmsten Thema haha! Die Charaktere…

Eine Frage an alle, die das Buch gelesen haben: Fandet ihr auch, dass sich die Charaktere mega in einer Trash-Reality-TV-Serie gemacht hätten?

Achtung Spoiler

Ich kann Delia förmlich sehen, wie sie, stets augenrollend, ihren Einzeltalk führt:

„Und ich war so – What? Hollis kann doch nicht ernsthaft meinen, Nora, diese falsche Schlange, als Zofe anzustellen? Klar, Hollis ist meine beste Freundin, aber sie verhält sich gerade so scheiße! Meine Erzfeindin auf die gleiche Stufe wie mich zu stellen und ihr alles anzuvertrauen? Oh. Mein. Gott! Ich bitte dich! Aber der werde ich es zeigen!“

Spoiler Ende

Meine Güte, ich brauche einfach eine Reality-show mit den Charakteren ^^

Jetzt kommen wir aber erst einmal zu Hollis, der Hauptfigur. Tja… Nein!

Ich konnte mich gar nicht in sie hineinfühlen und habe mich oft fremdgeschämt, da sie kurzgefasst eine toxische Person ist, der es letztendlich nur um Geld, Ruhm und einen Mann an ihrer Seite geht!

Und dieses Verhalten lässt sich nicht (nur) dadurch entschuldigen, dass ihre Eltern nicht die tollsten sind.

Vor allem zwischen den Seiten 76 und 90 hätte ich sie einfach schlagen können.

„Hat er dich geheiratet“, fragte Delia.

Ich stach mir fast in den Finger. „Wofür hältst du mich? Ohne Zeugen zu heiraten ist genauso schlimm wie durchzubrennen. Glaubst du im Ernst, Jameson würde auf diese Weise meinen Leumund zerstören?“

Promised – Seite 76

Nur zur Information: Delia wäre an sich auf dem gleichen Adelsstand wie Hollis, jedoch ist ihr Vater durchgebrannt, was bewirkt hat, dass Delia den Adelstitel und ihre Zukunft verloren hat. Und das weiß Hollis. Also was geht bitte in ihrem Kopf vor, dass sie genau das Beispiel mit dem Durchbrennen macht? Vor Delia? Delia hat an ihrem eigenen Leib erlebt, was für Konsequenzen Durchbrennen hat, da muss Hollis nicht noch drauf rumreiten, wie schlimm das ist…. Ugh!

Zu Delia: Sie ist schon seit Langem die beste Freundin von Hollis und hat, wie jeder gute Charakter in einer Reality-TV-Show eine dramatische Backstory. Doch ist Delia vielleicht gar nicht so supportive für Hollis, wie man denkt? Eins kann ich mit Sicherheit sagen: Auch nachdem ich das Buch gelesen habe, bin ich mir über Delias wahren Gefühle und Motive im Unklaren und kann nicht sagen, wie sie wirklich über Hollis denkt…

Jameson und Silas, die zwei Love Interests, passen genauso perfekt in diese TV Show, da sie zwar sehr heiß aussehen aber auch ständig darauf reduziert werden. Charaktereigenschaften bekommen wir nicht wirklich mit … aber sie sehen wirklich gut aus! Und diese Augen *-*

Ironie an — mehr braucht man ja wirklich nicht! Ein charakterloser Mann (oh warte, Adeliger beziehungsweise König) mit sooo hübschen Augen! — Ironie aus

Und während die Beziehung zwischen Hollis und Silas als ganz nett und süß beschrieben werden kann, ähnelt die Beziehung zwischen Hollis und Jameson eher einem der Crushes, die man mit 13 Jahren hatte. Es hätte nur noch gefehlt, dass Hollis wortwörtlich zu Delia gesagt hätte: „Oh Delia, ich bin so verwirrt! Er flirtet minimal mit mir und ich schon auch bisschen mit ihm, aber wir haben uns noch nicht geküsst oder sonst was und ich frage mich manchmal, ob er mich überhaupt mag… Ich denke, dass da bald Hochzeitsglocken klingeln werden!!“

Und keine Sorge, die Beziehung zwischen Hollis und Silas ist kein Spoiler gewesen, da es jedem Leser sofort klar geworden ist, dass zwischen den beiden was laufen wird, sobald Silas das erste Mal erwähnt wird. Und es steht im Klappentext … Just saying.

Na ja, das mit der komischen und kindischen Beziehung zwischen dem König und Hollis war ja vielleicht gewollt, daher gibt es nicht wirklich einen Abzug, aber schön zu lesen war das nicht…

Fazit:

Okay, Leute, es fällt mir wirklich schwer, da ich Kiera Cass wegen „Selection“ immer auf einem kleinen Podest hatte, aber ich habe das Gefühl, dass ihre Bücher immer schlechter werden. Zu „the Siren“ habe ich hier auf meinem Blog zwar keine Rezension geschrieben, jedoch hätte es von mir um die drei Sterne bekommen und leider muss ich sagen, dass „Promised“ mich noch weniger begeistert hat.

Waren es bei „the Siren“ eher die Logiklücken und die Charaktere, die über ein einziges Merkmal definiert wurden, so ist es bei „Promised“ fast alles. Die Handlung und das Cover waren dabei noch das Beste, konnten die Charaktere und den Erzählstil leider nicht herausreißen.

Alles in allem muss ich dem Buch 2 Weihnachtskugeln geben…

Ich rate euch, das Buch, wenn ihr es noch nicht gekauft habt, nicht zu kaufen. Leiht es euch lieber oder kauft es irgendwann gebraucht.

Ich selbst werde kein Buch mehr von Kiera Cass lesen, da es am Ende sowieso immer das selbe ist und man die Handlung eigentlich schon vom englischen Titel herleiten kann…

Infos zum Buch:

Titel: Promised

Autorin: Kiera Cass

Übersetzerin: Angela Stein

Erschienen: 2020 bei Fischer

ISBN: 978-3-7373-5097-6