Hei ihr Lieben ✨

seit Langem wollte ich schon ein Buch von Elizabeth Lim lesen und als ich „Ein Kleid aus Seide und Sternen“ von der Autorin mit diesem wunderschönen Cover in meiner örtlichen Bücherei gesehen habe, musste ich es mir natürlich sofort schnappen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, bei YA Fantasy ist es eine 50/50 Chance für einen Glücksgriff, da der Schreibstil und die Ausarbeitung der Geschichten in dem Genre in den letzten Jahren gefühlt abgenommen hat. Ob das Buch für mich ein eben solcher Glücksgriff war, erfahrt ihr nach der Zusammenfassung.

Maia Tamarin träumt davon, die beste Schneiderin des Reiches zu werden. Sie lernt diese Kunst von ihrem Vater und ist sehr begabt, aber als Mädchen ist ihr die Ausübung dieses Berufes untersagt. Als der Kaiser einen Wettbewerb um den Posten des Hofschneiders ausruft, fasst sie einen gewagten Plan: Verkleidet als Junge reist sie unter dem Namen ihres Bruders an den Hof, um für ihren Traum zu kämpfen. Unter den zwölf Schneidern, die sich bewerben, herrscht hohe Konkurrenz, das Leben am Hof ist von Intrigen bestimmt – und keiner darf Maias Geheimnis erfahren, denn dann erwartet sie der Tod. Doch schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit des geheimnisvollen Magiers Edan auf sich: Er scheint ihre Verkleidung zu durchschauen. Und Maia braucht seine Hilfe, um die schier unmögliche letzte Aufgabe des Wettbewerbs zu erfüllen: Sie muss drei magische Kleider für die kaiserliche Prinzessin nähen, die aus Elementen der Sonne, der Sterne und des Mondes gewirkt sind. Zusammen mit Edan begibt sich Maia auf eine gefährliche Reise, die sie fast alles kostet, was ihr lieb und teuer ist.

Der Anfang des Buches war sehr künstlerisch gestaltet, da auf magische Weise mit Metaphern aus der Welt des Schneiderns gespielt wurde. So hält Maia „die Nähte der Familie zusammen“ und ist schlecht darin, gelogene „Geschichten zu spinnen“. Dieser künstlerische Schreibstil lässt jedoch ab dem Zeitpunkt nach, als Maia an den Hofe des Kaisers gelangt und taucht erst im Mittelteil wieder auf.

Der erste Teil, beginnend mit dem Eintritt Maias in den kaiserlichen Wettbewerb bis zum Ende ebendieses, gefiel mir leider nicht so sehr. Zum Einen ließ der Schreibstil ab dem Wettbewerb nach und zum Anderen erinnerte mich der Teil mit dem Wettbewerb etwas zu sehr an das Buch „A magic steeped in poison“. Zudem mangelte es in dem Abschnitt auch an der Ausarbeitung der Nebencharaktere. Maia und ihre Familie wurden am Anfang recht gut beschrieben, sodass man die Hintergrundgeschichte von Maia und ihre Motive gut nachvollziehen konnte. Sobald Maia jedoch dem Wettbewerb beitritt und man viele neue Gesichter trifft, lässt die Ausarbeitung der Charaktere nach. Plottwists oder gewisse Taten dieser Personen kamen nicht wirklich überraschend oder schockierend, da man als Leser*in keine wirkliche Verbindung zu den Charakteren spürte und sie nicht einschätzen konnte. Im zweiten Abschnitt sind die Schneiderrivalen zwar nicht mehr wirklich relevant, weswegen das mit der Ausarbeitung von ihnen nicht so wichtig war, jedoch richtet sich dieser Kritikpunkt besonders auf Edan.

Der Magier begibt sich im zweiten Abschnitt mit Maia auf eine lange und beschwerliche Reise, auf der sich die Beiden näherkommen. Die Gespräche der Beiden waren dabei sehr charmant und Edan hat sich gut in die Rolle des mysteriösen, aber süßen, Magiers eingefunden. Leider wurde Edan während des Wettbewerbs komplett anders beschrieben, ohne dass wirklich Gründe für sein Verhalten und diesen kompletten Wechsel seines Verhaltens vom ersten zum zweiten Abschnitt genannt wurden, wodurch ich die Anziehung der Beiden wenig nachvollziehbar fand und mir die Tiefe der Beziehung gefehlt hat.

Trotz der 180-Grad-Drehung der Art von Edan, fand ich den zweiten Abschnitt, bei dem wir Maia und Edan auf ihrer Reise begleiten, die Stoffe für die drei magischen Kleider zu beschaffen und die Kleider zu nähen, am Besten. Im Kontrast zu dem ersten Abschnitt wird hier mehr über die Welt, die Magie und besonders über die Kleider und die Fabeln dazu erzählt, was dazu führt, dass man sich als Leser*in die Welt besser vorstellen kann. Die Fabeln zu den Kleidern der Göttin Amana sind dabei so schön beschrieben, ich hätte die Kleider auch gerne zuhause 🤭

Auf der Reise entfaltet sich die Stärke des Buches in den Beschreibungen der schwierigen Aufgaben, Orte und Personen, denen die Beiden begegnen. Die Aufgaben sind spannend beschrieben und halten die Seiten in Bewegung. Mein einziger Kritikpunkt bei dem zweiten Teil wäre, dass einige Wendungen und Fähigkeiten etwas bequem für die Handlung sind, was die Glaubwürdigkeit der Geschichte stellenweise untergräbt. Ein Beispiel dafür wäre die dritte Aufgabe, bei der Maia, von der nicht bekannt ist, dass sie jahrelanges Klettertraining besitzt, einen kompletten Tag einen überaus steilen Berg hinaufklettert. Ohne Klettertraining… Ja! 🤌 Diese Bequemlichkeiten können jedoch auch dem Genre der YA Fantasy und dem eher leichteren Weltaufbau geschuldet sein.

Nach dem starken Mittelteil ließ das Buch gegen Ende leider wieder nach. Vor Abschluss der Reise tauchen plötzlich Dämonen auf, wodurch viele Unklarheiten und Fragen auftreten, die zumindest im ersten Band der Trilogie nicht mehr beantwortet werden. Das Ende ist relativ offen und wird gewissermaßen durch den Prolog geschlossen, der nach der beschriebenen Handlung spielt.

Alles in allem fand ich das Buch ganz nett, wobei es eher für jüngere Leser*innen zu sein scheint. Der Schreibstil ist an vielen Stellen schön künstlerisch, jedoch ist der Weltaufbau und die Ausarbeitung der Charaktere eher einfacher gehalten. Der erste Teil der Geschichte erinnerte mich zu sehr an andere Bücher, unter anderem „A Magic steeped in poison“, während der zweite Abschnitt mit der Reise von Maia und Edan doch unterhaltsamer war und die Magie der Geschichte und der Stoffe wirklich durchschien. Das Ende ließ dann leider wieder nach.

Von mir gibt es daher 3 Sterne für das Buch und eine Empfehlung für jüngere Leser*innen mit einer Vorliebe für Fantasy und Märchen. Leser*innen, die auf einer Suche nach komplexerem Aufbau der Welten und Charaktere sind, könnten das Buch etwas enttäuschend finden, aber ich rate euch natürlich, eure eigene Meinung zu bilden 🥰

Titel: Ein Kleid aus Seide und Sternen

Autorin: Elizabeth Lim

Übersetzerinnen: Barbara Imgrund

Erschienen: 27. Juni 2022

ISBN: 978-3-551-32057-5

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